Chronik einer Gepardenjagd

By 15. Oktober 2014 Wildlife

Der Gepard ist das schnellste Landsäugetier unserer Erde. Mit wenigen Sätzen beschleunigt er auf eine Geschwindigkeit von mehr als 100 km pro Stunde. In Ostafrika jagen die eleganten Raubtiere überwiegend Thomson – Gazellen, Grant – Gazellen oder Impalas. Diese Antilopenarten sind leicht und deutlich einfacher zu überwältigen als ausgewachsene Zebras oder Gnus, die für einen einzelnen Geparden nahezu unbezwingbar sind. Es kommt jedoch vor, dass in der Gruppe jagende Geparden versuchen, ein Jungtier zu überwältigen. Einen solchen Jagdversuch erlebten wir in Kenia im Masai Mara Game Reserve…

Die Jagdstrategie des Geparden besteht nicht nur aus einem simplen High-Speed-Sprint. Da auch seine Beutetiere eine effektive Strategie entwickelt haben zu entkommen, nämlich das Hakenschlagen, wägt der Gepard die beiden gegensätzlichen Faktoren Geschwindigkeit und Wendigkeit gegeneinander ab… denn je schneller er läuft desto schwieriger wird es für ihn einen Richtungswechsel zu vollziehen wenn seine Beute Haken schlägt.

Geparden schleichen sich an ihre Beute heran indem sie jede Deckung ausnutzen. Ist die Entfernung auf ein erfolgversprechendes Maß verkürzt startet er mit seinem Sprint. Bevor er seine Beute einholt reduziert er jedoch seine Geschwindigkeit… wie stark steht in direktem Zusammenhang mit der Art der Beute. Schlägt das Beutetier typischerweise viele Haken (z.B.: Thomson-Gazelle), verlangsamt er die Geschwindigkeit stärker als bei eher geradeaus flüchtender Beute.

Dieses Abbremsen ermöglicht es dem Geparden, auf einen Richtungswechsel seiner Beute blitzschnell zu reagieren. Sein langer Schwanz dient hierbei als eine Art Steuerruder und hilft ihm die Balance zu halten. Ist das Opfer schließlich eingeholt, versucht er es mit einem Schlag seiner Vorderpfote zu Fall zu bringen, wobei sich die Afterkralle an den Innenseiten seiner Vorderläufe – eine sehr scharfe Kralle die etwas höher sitzt als die Übrigen – tief in der Flanke der Beute verhakt.

Mit seiner komplexen Jagdstrategie ist der Gepard der erfolgreichste Jäger der Savanne.

Das Jagdverhalten des Geparden läßt sich hervorragend anhand der Bilder im Beitrag nachvollziehen…

  • Anschleichen bis auf eine erfolgversprechende Distanz
  • Auswählen und separieren der Beute
  • Sprint und blitzschneller Richtungswechsel
  • Der Schwanz des Geparden als Steuerruder
  • Beute mit einem Schlag der Vorderpfote aus dem Gleichgewicht bringen

Was ich leider nicht fotografieren konnte war das Erlegen der Beute… die Geparden waren trotz mehrerer Versuche einfach nicht erfolgreich und brachen die Jagd ab.

Ein Grund für den Abbruch der Verfolgung liegt darin, dass die Hochgeschwindigkeitsjagd des Geparden äußerst kraftraubend ist und er sie höchstens 2 -3 Minuten durchhalten kann. Danach ist er erschöpft und muss sich erholen. Ein weiterer Grund lässt sich in den Bildern des Beitrages erkennen… das felsige Gelände, in das das Gnu-Kalb flüchtet ist nicht für eine weitere Verfolgung geeignet. Verletzt sich der Gepard ernsthaft und ist nicht mehr in der Lage zu jagen, bedeutet das seinen sicheren Tod.

Ob das Gnu-Kalb diesen Fluchtweg ganz bewußt gewählt hat oder nur zufällig in das felsige Gelände lief läßt sich nur vermuten… aber Fakt ist, wenn es kein Zufall war dann war es äußerst clever.

Das Ende einer Gepardenjagd in der Masai Mara – Gnu-Kalb entkommen – Gepard frustriert – Fotografen höchst zufrieden.


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Join the discussion 2 Comments

  • Sarah sagt:

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